Was ist Marmor eigentlich?

Marmor wird schon seit über 2000 Jahren in mühsamer Arbeit aus dem Fels geschnitten. Marmor gibt es in verschiedenen Farben, Strukturen, Äderungen und Härtegrad. Je nachdem welche Materialeigenschaften er hat, richtet sich dann auch sein Verwendungszweck. Farbiger Marmor wird gern für stilvoll gestaltete Bäder oder Wandverkleidungen genutzt. Der reinweiße Carrara-Marmor hingegen, der aus Italien stammt, wird überwiegend in der Kunst verwendet. Im krassen Gegensatz dazu steht seine Verwendung in der Pharmaindustrie. Dort kann man ihm zum Beispiel in Zahnpasta oder Calcium-Tabletten finden.

Calciumcarbonat – Hauptbestandteil des Marmors

Alle dekorativen Kalksteine, die man polieren kann, werden umgangssprachlich als Marmor bezeichnet. Diese bestehen zum großen Teil aus Calciumcarbonat. Diese Verbindung des Calciums ist sowohl anorganischen, als auch organischen Ursprungs. Durch kalkhaltige Ablagerungen, beispielsweise durch Korallenriffe, die eine Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Muschelgetieren darstellen, die durch tektonische Bewegungen im Laufe der Jahrhunderte in die unterschiedlichen Erdschichten geraten sind, wird zum Beispiel die Entstehung herbeigeführt. Im Inneren der Erde, wohin diese Kalkablagerungen auch gerieten, herrschen extrem hohe Temperaturen und Drücke. Dadurch kristallisierte das Kalkgestein aus und wurde im Laufe der Zeit zu echtem kristallinen Marmor.

In anderen Erdschichten, wo nicht so extreme Temperaturen und Drücke herrschten, blieb dieser Prozess der Kristallisierung aus. Aber auch dieser Kalkstein ist polierbar und wird deshalb ebenfalls als Marmor bezeichnet. Obwohl er nicht so hart ist wie der kristalline Marmor, so hat er doch den Vorteil der Farbenprächtigkeit. Dass die unterschiedlichen Qualitäten dennoch alle mit dem Begriff Marmor bezeichnet werden, hat etwas damit zu tun, dass das Material nach der Politur so schon glänzt, denn das aus dem Griechischen stammende Wort “Marmoros” bedeutet nichts anderes als glänzend.

Marmor – in vielen Teilen der Welt zuhause

Marmor, der je nach Herkunftsort immer andere Qualitätsmerkmale hat, findet man in vielen Regionen der Welt. So zum Beispiel in Griechenland, in der Türkei, in Indien, aber auch in China. Die Qualitätsmerkmale unterscheiden sich in Farbe, Härte und Struktur. Deswegen hat auch jeder Marmor seine speziellen Abnehmer, die den Marmor entsprechend seiner Materialeigenschaften weiter verarbeiten. Marmor war schon seit dem Altertum ein begehrter Importartikel, bei dem es vor allem um Farbe oder Qualität geht.

Ebenso wie es verschiedene Farben, Strukturen und Härten gibt, so gibt es auch verschiedene Bedeutungsfestlegungen. Zum einen gibt es die Bedeutung als petrographischer Begriff. Nach dieser Bedeutungsfestlegung ist Marmor ein Umwandlungsgestein. Diese Metamorphite enthalten zu 50 Prozent Calcit, Dolomit oder Aragonit. Viele Marmore sind monomineralisch, das heißt, sie bestehen aus nur einem Karbonatmineral. Durch hohe Temperaturen und Drücke haben Marmore eine Metamorphose durchgemacht. Eine Ausnahme bilden Marmore, die aus der Umwandlung von Karbonatiden hervorgehen. Karbonatid ist ein seltenes magmatisches Gestein, das zu mehr als 50 Prozent aus Karbonitmineralen besteht. Alle Kunst- und Stuckmarmore, die von Menschenhand angefertigt wurden, zählen nicht zu den Marmoren im petrographischen Sinne, denn Marmore gelten in dieser Bedeutungsfestlegung als natürliche Gesteine und können nicht künstlich erzeugt werden.

Doch Marmor hat auch eine Bedeutungsfestlegung als Kulturbegriff. In der deutschen Sprache werden viele Kalkgesteine, Dolomite oder Onyxmarmore als Marmore bezeichnet. Aber auch viele Gesteinsarten, die nur sehr wenig bis gar kein Karbonat enthalten, werden mit diesem Begriff gelabelt. In der Architektur, im Kunstgewerbe oder in der Innenausstattung wird Marmor als Kulturbegriff für Materialien verwendet, die im petrographischen Sinne gar keine Marmore sind. So ist es in Italien zum Beispiel problemlos möglich, polierte Granite unter dem Begriff Marmor zu verkaufen, obwohl sie eine ganz andere chemisch-mineralogische Zusammensetzung aufweisen als Marmor.

Marmor ist Kunst

Der Begriff Marmor als Kulturbegriff wird fast auf der ganzen Welt verwendet. In manchen Ländern wird dabei zwischen den einzelnen Gesteinsarten stärker unterschieden als in anderen. Doch exakte petrographische Abgrenzungen findet man kaum.

Als Kulturbegriff kann der Begriff Marmor verwendet werden, ohne dass das mit negativen Folgen verbunden ist. In der Ökonomie ist der Fall hingegen ganz anders gelagert. Polierfähige Kalksteine dürfen im Geschäftsleben durchaus als Marmor angepriesen werden. Alle Gewerbe, die sich mit der Steinverarbeitung beschäftigen, nehmen dabei zur Kenntnis, dass die Kunden lediglich unterscheiden zwischen Granit bedeutet sehr hart und Marmor bedeutet sehr teuer. Ein Steinmetzbetrieb muss aber bei einem Verkaufsabschluss explizit darauf hinweisen, dass es einen Unterschied zwischen Kalksteinen und Marmor gibt. Auch die deutsche Rechtsprechung drängt darauf, dass dieser Unterschied betont werden muss.