Speckstein – ein Mineral mit vielen Namen

Bedeutungserklärungen für das Wort Speckstein gibt es mehrere. So ist zum Beispiel aus alten urkundlichen Quellen ersichtlich, dass die Wörter Laffetsch und Lavetz beide für einen großen Kessel zum Kochen und Waschen benutzt wurden. Beide Wörter kamen ungefähr zu der Zeit auf, als Speckstein als Material intensiv nachgefragt und bearbeitet wurde.
Die Bezeichnung “Lavezzo” wurde im 13. Jahrhundert auch auf Metallkessel, zum Beispiel aus Bronze übertragen. Das Wort “Laveggio” wird im Italienischen auch für den Kochkessel benutzt.

Schon im Mittelalter wusste man um die guten Eigenschaften von Speckstein

In der südlichen Alpenregion wird das Wort in der Sprachforschung der Neuzeit noch stärker differenziert. Die ersten Belege, die als Text überliefert sind, entstammen dem 13. Jahrhundert und der Region Veneto. Aus dem 14. Jahrhundert gibt es dann auch Textbelege aus der Toskana. Wanderhandwerker, zum Beispiel Kaminkehrer oder Geschirrhändler, verbreiteten den Begriff Lavetzstein. Die Lavetsch-Formen des Mittelhochdeutschen werden von Sprachforschern der Lombardei und Tessin zugeordnet. In diesen Regionen gab es auch einige wichtige Abbaustellen für Speckstein. Das ist so zu erklären, dass Materialien und Gegenstände ganz im Sinne ihrer Anwendung und Bearbeitung benannt wurden. Dadurch entstand eine gewisse Definitionshoheit, dass die Gruppen, die den besten Überblick über ein Material, seine Verarbeitung und seine Einsatzmöglichkeiten hatten, den Namen benennen durften.

Die Namensproblematik des Specksteins ist sehr komplex. Um den Blickwinkel zu erweitern, lohnt es sich, einen Blick auf die liturgische Praxis zu werfen. Gefäße, die bei Handlungen im Gottesdienst zur Handwaschung dienten und auch noch dienen, wurden und werden als Lavabo bezeichnet. Das gilt in erster Linie für die römisch-katholische Kirche. Auch als Material für Weihwasser- und Taufbecken ist Speckstein bekannt. Die Handwaschungen hatten nicht nur einen symbolischen, sondern auch einen hygienischen und damit praktischen Hintergrund. Die symbolische Bedeutung wird in dem Psalm “In Unschuld will ich meine Hände waschen” zum Ausdruck gebracht.

Gegenstände aus Speckstein

Speckstein ist ein Material, das für die Menschen in ihrem täglichen Leben immer wichtiger wurde. Er war auf der einen Seite ein Material für den täglichen Bedarf, wie etwa für Töpfe, und spielte auf der anderen Seite auch eine wichtige Rolle im religiösen Leben der Menschen. Die Bedeutung des Wortes Lavetzstein lässt sich damit erklären, dass daraus ursprünglich nicht nur Töpfe, sondern auch Waschbecken angefertigt wurden. Die Produktion von Kochtöpfen aus Speckstein erlebte im Mittelalter ihre Blütezeit. Der Begriff ist aber zugleich ein Wanderwort, welches durch umherwandernde Handwerker verbreitet wurde. Eine endgültige etymologische Klärung ist wohl kaum möglich und erfordert viele interdisziplinäre und mühselige Forschungen.

Lagerstätten von Speckstein im Südalpenraum weisen als Eigenschaft auf, dass es zusätzlich zu den festen Gesteinspartien sehr viel lockeres Material anfällt. Dieses kann nicht zum Drechseln von Gegenständen benutzt werden. Beim Drechseln und anderen Bearbeitungstechniken fällt eine große Menge Specksteinpulver an, das normalerweise als Abfall anzusehen wäre. Dieser wurde aber, genauso wie das lockere Material, was beim Specksteinabbau anfiel, dazu benutzt um Seifenpulver herzustellen.