Marmor – Gewinnung und Verarbeitung

Früher war die Marmorgewinnung eine schweißtreibende und gefährliche Angelegenheit. In dem man die Klüfte ausnutzte, wurde der Marmor mit Hebestangen, Holzkeilen und Wasser abgebaut. Später lösten Keile aus Eisen die Holzkeile ab. Marmorabbau in Europa ist schon seit langem ein lohnendes Geschäft. Seit dem siebten Jahrhundert vor Christus wird auf der griechischen Insel Paros schon Marmor abgebaut. Der weltberühmte Carrara Marmor wird seit dem zweiten Jahrhundert vor Christus abgebaut. Viele Jahrhunderte lang, nämlich bis zur Renaissance, änderte sich an den Techniken für den Marmorabbau nichts. Aber ab der Renaissance wurde mit Sprengladungen gearbeitet, eine Technik die bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts erhalten blieb. Der Sprengstoff wurde bei dieser Technik in Bohrlöcher eingebracht. Durch die Detonationen kam es zu großen Mengen an Gesteinsschutt und auch die Marmorblöcke wurden durch die Sprengladungen zum Teil erheblich beschädigt.

Erst im 19. Jahrhundert wurde der Marmorabbau einfacher

Die großen technischen Neuerungen, die es bei der Gewinnung von Marmor gab, gingen von Italien, genauer von Carrara, aus. Ein italienischer Arbeiter erfand im Jahre 1815 eine Steinsäge mit mehreren Sägeblättern. Das war die erste Gattersäge für Naturstein, die durch Wasserkraft über Wasserräder angetrieben wurde. Durch einen Schweizer wurde diese Technik weiter verbessert. Im Jahr 1831 führte dann ein Franzose acht Eisengestelle ein, die es ermöglichten mehrere dünne Marmorplatten auf einmal herzustellen. Diese Marmorplatten waren sehr groß im Format. Bereits 1870 gab es schon 40 Sägereien in Carrara, die diese Technik abwendeten. Ebenfalls in Carrara kam zum ersten Mal Spiraldraht zur Anwendung, der dazu verwendet wurde, die Marmorblöcke zu schneiden. Dieser Draht wurde von Dieselmotoren angetrieben und wurde auf Umlenkrollen durch die Steinbrüche geführt, damit sie sich wieder abkühlen konnten. Elektromotoren kamen später für die Dieselmotoren zum Einsatz. Heute wird Marmor nicht mehr mit den so genannten Lang-Seilsägen geschnitten. Heute kommen Kurz-Seilsägen zum Einsatz, die mit einem Diamantseil bespannt sind. Die Sägeseile werden ständig mit einem Wasserstrom gekühlt oder es kommen Maschinen aus dem Bergbau zum Einsatz, die die Marmorblöcke herausschneiden.

Die Schrämen, die Bergbaumaschinen, schneiden so genannte Lösefugen in den Marmor. Da hinein werden Lösekissen aus Stahlblech gelegt. Diese Lösekissen sind entweder mit Wasser oder mit Druckluft befüllt. In diesem Arbeitsschritt werden die Marmorblöcke aus der Steinwand geschoben, um sie dann weiter zu transportieren. Die gelösten Blöcke werden durch große Radlager bewegt. Entweder verbleiben sie dann zur weiteren Verarbeitung im Steinbruch oder sie werden auf LKW für den Weitertransport verladen.

Mit Hilfe von Gattersägen werden die Marmorblöcke in Platten gesägt. Diese Gattersägen haben zwischen 80 und 120 Sägeblätter. Dann wird der Marmor geschliffen und poliert. Damit die Werkstücke die erforderlichen Steinformate erhalten können, benutzt man Steinsägen.