Es begann mit dem Feuer – die Entstehung des Ofens

Vor etwa 1,9 Millionen Jahren entdeckte die Menschheit das Feuer für sich – damals noch in Höllen oder in offenen Lagerstätten. In der Jungsteinzeit begannen dann die ersten Keramikproduktionen, wofür man entsprechende Öfen brauchte. Irgendwann wurde die Menschheit sesshaft und nahmen das Feuer mit in ihre Hütten, womit die Geschichte des Ofens begann.

Holzwärme in römischen Thermen

Obwohl die kulturelle Entwicklung der Menschheit eng mit der Nutzung des Feuers zusammenhängt, lässt sich heute nicht mehr genau festlegen, wann die Kamine ihre heutige Bedeutung im Haus endgültig erhielten. Kamine, in der Form, wie sie uns heute bekannt sind, datieren aus dem zwölften Jahrhundert. Noch früher sind keine bekannt. Es lässt sich aber zum Beispiel zweifelsfrei belegen, dass die Römer ein unterirdisches Heizsystem besaßen, welches aus Rohrleitungen bestand. In diesen Rohrleitungen zirkulierte erhitztes Wasser, das durch geschlossene Kohlepfannen erwärmt wurde. Weiterhin ist bekannt, dass griechische und auch römische Häuser Öffnungen in den Raumdecken besaßen, durch die Rauch von offenen Feuerstellen abziehen konnte. Diese Öffnungen ließen sich sogar schon mit Hilfe eines Ventils verschließen und somit kontrolliert einsetzen und nutzen. Aus dem Lateinischen stammt der Begriff caminus, den die Römer sowohl für den häuslichen Herd, ein offenes Herdfeuer, als auch für Schmiede- und Metallschmelzöfen verwendeten. Archäologische Funde belegen zweifelsfrei, dass mache dieser Öfen und Feuerstätten bereits röhrenförmige Rauchabzüge besessen haben.

Auch auf ägyptischen Zeichnungen und griechischen Vasen gibt es bereits Abbildungen von Öfen mit Rauchabzügen, die jedoch hauptsächlich als Kochstellen genutzt wurden. Zum Heizen wurden diese Kamine wahrscheinlich erst mit Beginn der christlichen Ära eingesetzt.
Im Mittelalter begann man damit, die Kamine in Rundform anzulegen. Diese Kamine hatten einen halbkonischen Rauchabzug mit einer Röhre, die von der Feuerstätte aus durch die Wand führte. Erst seit dem zwölften Jahrhundert baute man rechteckige Kamine, die einen Abzug in Form einer Pyramide hatten. Aber nur, wenn das Mauerwerk nicht zu dick war, konnte der Rauch nach draußen ins Freie geleitet werden.

Am besten dokumentiert, in dieser frühen Zeit, ist die Geschichte der angelsächsischen Kamine. Es steht auch außer Frage, dass diese Kamine einen beachtlichen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Geschichte der Kamine der westlichen Welt hatten. Bis ins Mittelalter sind auch aus England lediglich offene Feuerstellen bekannt, die als Bodenmulden im Raum gestaltet waren. Dabei war es unerheblich, ob es sich um ein mittelalterliches Landhaus oder eine schlichte Rundhütte handelte. Der Rauch wurde hierbei durch eine schlichte Öffnung in der Decke ins Freie geleitet.

Die Weiterentwicklung des Ofens begann im dunklen Mittelalter

Im 12. Jahrhundert begannen im Zuge einer erneuten Wandlung der menschlichen Lebensweise heiztechnische Veränderungen. Immer häufiger traten aus Stein erbaute Festungen und Burgen in Erscheinung, die mit Holzdielenböden ausgestattet waren. Aus diesem Grund konnte der Boden nicht mehr als Feuerstelle genutzt werden und wurde somit in steinernen Wandnischen platziert und die Rauchabzüge befanden sich auch zum ersten Mal in der Geschichte oberhalb der Feuerstelle. Sie waren meist aus Stein gearbeitet und wiesen keinerlei Verzierungen auf. Dafür waren die zylindrischen Abzüge, die aus den Dächern ragten verziert, meist mit schönen Metallhauben, wie sie auch heute noch zu sehen sind. Diese Metallhauben boten nicht nur Schutz vor Regen, sondern dienten auch der Abwehr von Wind und Zugluft. Gleichzeitig begann man sich in “einfachen” Hütten die bis dahin noch offene Feuerstelle zum Kochen in separate Räume nahe dem Stall auszulagern, um dem schwärzenden Rauch zu entkommen, der neben sehr viel Schmutz vor allem gesundheitliche Beeinträchtigungen mitbrachte.

Reiche Verzierungen für den Adel und sehr viel Pragmatismus für das Volk – die Entwicklung des Ofens in der Spätgotik

Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich die Geschichte der Kamine in zwei unterschiedliche Richtungen. Wohlhabende Engländer fanden zunehmend Gefallen an den normannischen Kaminen. Diese wurden durch spezialisierte Handwerker in die Wand eingebaut, was natürlich mit hohen Kosten verbunden war. Da die Kamine an der Außenwand lagen, gab es hier einen größeren Wärmeverlust. Aus diesem Grund musste häufiger und auch mehr Brennstoff nachgelegt werden. Verziert wurden diese Kamine aber erst ab dem vierzehnten Jahrhundert. Die Verzierungen begannen mit Wappenschildern und Flachreliefs an den Paneelen, Seitenteilen und Einfassungen.

Die zweite Richtung der Entwicklung der Kamingeschichte waren die traditionellen angelsächsischen Feuerstellen, die vor allem bei den weniger wohlhabenden Schichten zu finden waren. Diese Feuerstellen waren nicht nur kostengünstiger in der Errichtung, sondern benötigten auch weniger Brennstoff. Für diese Kamine setzte sich nach und nach der Backstein als Baumaterial und Abzugshauben durch. Das war auch der Grund dafür, dass auch diese Feuerstellen in speziell dafür errichtete Mauern eingelassen werden mussten. Durch diese Entwicklung entstand auch die berühmte Kaminecke. Die Errichtung der benötigten Wand erweiterte die Kaminöffnung, so dass sich die Menschen näher an das wärmende Feuer setzen konnten.

Im sechzehnten Jahrhundert wurden dann zunehmend zweigeschossige Häuser errichtet. Im Obergeschoss sollten die Kamine die gleiche Struktur haben wie im Erdgeschoss. Backstein entwickelte sich immer mehr zum Baumaterial der ersten Wahl und löste Holz und Naturstein ab. Brennstoff der ersten Wahl wurde Kohle, weil sie einen hohen Brennwert hatte. Der Nachteil war die größere Rauchentwicklung durch Kohle. Dieser Umstand wurde durch optimierte Rauchabzüge ausgeglichen