Der Ofen in der guten Stube

Zunächst einmal sollte eine gewisse Abgrenzung zwischen einem Ofen und einem Kamin vorgenommen werden. Dies ist nicht ganz einfach, da die Übergänge nahezu fließend sind. Allerdings kann man im Allgemeinen sagen, dass ein Kamin in die Wand eingelassen ist, während ein Ofen eher freistehend in einem Wohnraum zu finden ist. Früher waren diese Öfen nicht zwingend in jedem Raum zu finden, wohl aber in der Regel an zentralen Orten, wie zum Beispiel der Eingangshalle, der Diele, der Wohnküche oder einem Gemeinschaftsraum. In der Regel war der wärmende “Luxus” nur der gutbetuchten Gesellschaft vorbehalten. Bauern und Arbeiter mussten sich weit bis ins 19. Jahrhundert mit einer Feuerstelle im Haus begnügen. Besonders in den kalten Jahreszeiten spielte sich rund um die wärmende Stelle das Leben ab.

Der Sparofen – Energiesparen kannte man schon im Mittelalter

Weil aber Holz schon immer entweder nur schwer zu besorgen war oder aber einfach nicht erschwinglich, waren die Menschen ziemlich erfinderisch. Früher wurde die themenbezogene Fachliteratur als Sparofenschrift bezeichnet. Die Autoren dieser Schriften ließen sich in allen Berufszweigen finden, da jeder in seinem Heim einen Ofen mit Holz beheizt hat und zudem sich damit auseinandergesetzt hat, an welchen Stellen es Einsparpotenzial gegeben hat.
Zwischen 1530 und 1600 sprach die Regierung des Kaisers 78 Privilegien aus. Hiervon galten 26 später als Erfindungen. Der Nürnberger Rat entrichtete im Jahr 1554 600 Gulden, um ein Holzsparpatent zu erwerben.
Im Jahr 1763 wurde von Friedrich dem Großen von Preußen ein Preisausschreiben veröffentlicht. Hierbei ging es um “einen Stubenofen, so am wenigsten Holz verzehret”. 1764 gewann Johann Paul Baumer dieses Preisausschreiben. Seine Erfindung wurde später als “Berliner Kachelofen” berühmt. Darin waren ein Rost, eine regulierbare Luftzufuhr und eine regulierbare Rauchgaskappe vorgesehen.

Interessant ist, dass noch um 1800 im Bereich des Ofenbaus bis zu 80% Einsparungen zu erreichen waren, wenn einfache Neuerungen vorgenommen wurden. Allerdings gab es ein Problem. Es war genügend Zug vorhanden, aber nicht zu viel Abwärme durch den Kamin. Zudem war bereits früh zu erkennen, dass die Erwärmung zugeführter Luft seine Vorteile mit sich bringen würde.
Allerdings war der Ofenbau in der Regel die Angelegenheit der Töpfer. Für diesen Berufsstand stellte sich allerdings oftmals eine Überforderung dar, in Anbetracht der eisernen Roste und Rohr- und Abzugsführungen. Zudem war der Ertrag an Sparofenlektüre nicht sehr hoch. Allerdings hielt sie die Menschen zum Experimentieren an. Die Bücher waren für die Handwerker in den meisten Fällen allerdings zu teuer.

Aus diesen Gründen waren die Experimente und die Literatur zu dem Thema eher eine Angelegenheit der besserverdienenden Gesellschaft.

Auch der bekannte Goethe hat sich auffallend für heiztechnische Angelegenheiten interessiert und zusammen mit Christoph Gottlieb Pflug entwarf er in Jena einen Ballonofen, der erstmalig in Goethes Arbeitszimmer um 1786 in Betrieb genommen wurde. Das besondere an Goethes energiesparenden Ballonofen ist die Metallkugel auf dem Ofengerüst, der die Wärme in alle Richtungen abstrahlt.

Die Industrialisierung brachte wärmende Fortschritte

Die geschlossene und ummauerte Feuerung, die Vermeidung unnötiger Größe, der gebremste Wärmeabzug und die Nutzung der Abwärme stellten die wesentlichsten Potenziale zum Sparen dar.
Von 1617 – 1687 lebte der Architekt und Erfinder Georg Andreas Böckler, der im Jahr 1666 in Frankfurt am Main die Denkschrift Furnologia oder: Haushältliche Oefen-Kunst verlegt hatte. In dieser wurde primär die Herdstelle und die Raumheizung und auch deren holzsparende Nutzung durch ein System von Zügen behandelt wurde. Hierdurch sollte die Abwärme besser und vor allen Dingen sinnvoller genutzt werden. Bis 1800 wurde die Zeit als das “hölzerne Zeitalter” bezeichnet. Vor allem in England wurde bereits Kohle gefördert. Allerdings gewann die Steinkohle erst an Beliebtheit, als die Dampfmaschine erfunden wurde und in Bergwerken zum Einsatz zur Wassererhaltung kam.
Im 18. Jahrhundert hat sich die Sichtweise hinsichtlich der Erfindungen und dem Heizen gewandelt. Rational wurden diese Dinge betrachtet und das Thermometer wurde erfunden, um die durch das Feuer entstehenden Temperaturen regulieren zu können. Auf diese Weise konnte mit soliden Mengen gearbeitet und geplant, vor allem aber gewirtschaftet, werden. 1790 wurden von Georg Hartig die Brennwerte verschiedener Holzarten erforscht. Nach 1800 wurde häufiger von Brennmaterial gesprochen. Hierbei war es nicht wichtig, ob es sich um Holz, Kohle oder Torf gehandelt hat. Im Jahr 1838 hat Robert Bunsen die Gasanalyse erfunden.