Der Kachelofen – eine heizende Kunst

Auch die technische Weiterentwicklung der Kachelöfen ist sehr interessant. Hinsichtlich seiner äußeren Gestaltung lässt der Kachelofen auf eine lange und vielschichtige Entwicklung zurückblicken, die vor allem kunstgeschichtlich interessant ist, da sie sich über viele einschneidende Epochen erstreckt. Allerdings blieben die Funktionen des Kachelofens hinsichtlich der Heiztechnik lange unverändert. Etwa im 18 Jahrhundert begannen die Menschen, die Kachelöfen an das System der Schornsteine anzuschließen. Wegen der starken Rauchgasentwicklung wurden bis zu diesem Zeitpunkt die Kachelöfen mit weit geöffneter Heiztür von der Küche oder auch einem Nebenraum aus befeuert und die Rauchgase dort in einem anderen Kamin entlassen. Mit einem niedrigen Teil wurden diese Kamine an die Zimmerwand angebaut. Möglich war auch, dass sie durch die Wand durchgebaut wurden. Zusätzlich wurden sie mit Holz bestickt.

Die Methodik wird allgemein auch als Hinterlader-Prinzip bezeichnet. Im oberen Teil des Kachelofens staute sich die Hitze und wurde an die Kachelwände abgegeben wurde. Stärker erwärmt wurden hingegen die Kachelwände, die sich unmittelbar im Strahlungsbereich des Feuers befanden.
Wenn das Feuer heruntergebrannt war, haben die Menschen die Heiztür des Kachelofens geschlossen und die Resthitze, die in den Kachelwänden gespeichert war, genutzt. Diese Option fand besonders in der Nacht großen Anklang, weil dann ein Feuer nicht beaufsichtigt werden musste. Die Menge der Hitze, die durch die Kachelwände abgegeben werden konnte, hing sehr stark von der Stärke der Wände und dem Mauerwerk ab. Nach der Abkühlung traten die Rauchgase durch die Ofentür wieder aus. Im besten Fall landeten diese in der sogenannten Esse. Diese befand sich in der Regel in der Küche über der offenen Herdbefeuerung. In anderen Fällen wurden die Gase austreten gelassen, damit sie über undichte Stellen im Dach oder durch eine geöffnete Tür oder ein Fenster wieder in das Freie gelangen konnten. Obwohl diese Konstruktion der Kachelöfen einen erheblichen technischen Fortschritt mit sich gebracht hatte, besonders hinsichtlich der Heizfähigkeit und der Holzausnutzung, waren sie noch immer nicht effektiv genug. Die Energieausnutzung im Vergleich zu einem offenen Kamin war allerdings weitaus besser.