Antikes Speckstein

Die Liste von Ländern, in denen Speckstein im Laufe der Menschheitsgeschichte verarbeitet wurde, ist sehr lang. Eines ist jedoch allen Ländern gemeinsam: Speckstein hat schon immer zwei Funktionen erfüllt, die gleichberechtigt nebeneinander standen oder sich sogar ergänzten. Zum einen diente Speckstein der Herstellung von Gebrauchsgegenständen und zum anderen von Schmuckgegenständen, wie zum Beispiel Zierrat und Skulpturen. Letztere existieren in Form von Menschen, Tieren aber auch abstrakten Formen.

Schon im Altertum wurde das Gestein, zum Beispiel in Mesopotamien, für die Herstellung von Trinkgefäßen und Schalen verwendet. Speckstein hat hervorragende wärmespeichernde Eigenschaften, so dass er schon seit vielen Jahrtausenden für die Aufbewahrung von warmen Speisen genutzt wurde. Durch diese Eigenschaft wurde der Speckstein aber auch ein wichtiges Material für den Kamin- und Ofenbau. Feuerstätten aus Speckstein haben einen sehr hohen Wirkungsgrad. Das kommt daher, weil sich die Hitze des Feuers auf den Speckstein überträgt und dann in Form von Strahlungswärme an den Raum abgegeben wird.

Kunstvolle Gefäße aus Speckstein wurden im Iran bereits 3000 vor Christus hergestellt. Diese Tradition wird im Iran auch heute noch gepflegt. Im antiken Griechenland kannte man Siegel und Gefäße aus Speckstein. Auch in Asien, so zum Beispiel in China, reicht die Verwendung von Speckstein Jahrtausende in die Menschheitsgeschichte zurück. China ist dabei nicht in allererster Linie für seine Schmuckgegenstände, sondern für seine Gebrauchsgegenstände berühmt geworden. So wurde Speckstein in der Ming-Dynastie als Ersatz für die sehr teure Jade verwendet. Schalen, Dosen, Kannen und auch Teller wurden hier aus Speckstein angefertigt.

Auch in Ägypten und in Indien wurden unter anderem Töpfe, Krüge, Schmuck und Münzen aus Speckstein hergestellt. Es gibt sogar Vermutungen von Historikern, dass Cleopatra nicht in Eselsmilch gebadet haben soll, sondern in einer milchweißen Talksteinlake. Auch den Wikingern war der Speckstein bekannt und sie nutzen ihn zum Beispiel als Senker in der Fischerei. Im 14. und 15. Jahrhundert war in der zivilisierten Welt der Aberglaube verbreitet, dass Waschen und Baden der Gesundheit schade. Deshalb verstand man damals unter Körperpflege, dass man sich kräftig einpuderte. Dazu wurde Talkpuder benutzt, dem man noch Bleiweiß und Quecksilber beimengte. Das sollte dazu führen, dass man auf Dauer einen mehligen Teint bekam. Heute weiß man, dass das Bleiweiß und das Quecksilber zu Vergiftungen geführt haben. Doch schon im antiken Griechenland entdeckte man auch die Heilwirkung des reinen Talks. Talkmehl wurde schon damals bei Hautreizungen aufgetragen. Talk in Wasser aufgelöst wurde bei Übelkeit oder Magenproblemen verabreicht. Auch den Badern im Mittelalter war eine Schweinefett-Talk-Creme bekannt. Und eine Empfehlung an Ritter, die sich der Völlerei hingegeben hatten und nun von Übelkeit und Sodbrennen geplagt wurden, war ein Trank aus Talkpulver. In Deutschland wurde der Speckstein im 18. Jahrhundert so richtig populär.

Die kanadischen Inuit stellen seit dem 19. Jahrhundert kunstvolle Schalen und Plastiken aus Speckstein her. Menschen und Tiere sind hier die Vorbilder für die Gestaltung. Einzigartig ist, dass die Inuit aus Speckstein Druckvorlagen herstellen, mit denen sie interessante Steindrucke anfertigen können.